Mit dem sechsthöchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in der Europäischen Union zählt das vorhandene Vermögen und damit potenziell verfügbare Risikokapital für wachstumsorientierte Unternehmen klar zu den Vorteilen des Standortes Österreichs. In der Praxis wirkt sich dieser theoretische Vorteil jedoch nicht auf die Finanzierung von innovativen Unternehmen aus. Aufgrund mangelnder Anreize und komplexer rechtlicher sowie steuerlicher Rahmenbedingungen liegen die Investitionen der Kapitalgeber:innen unter dem europäischen Durchschnitt. Innovations-Nationen wie Norwegen, Schweden, Niederlande oder Irland lassen Österreich weit hinter sich (EY, 2021). 

 

Österreich soll ein kapitalstarker Standort für Unternehmen und Forschung werden. Daher muss unser vorhandenes Kapital mobilisiert werden. Eine effiziente Lösung ist der Beteiligungsfreibetrag, welcher bereits seit Jahren von KMUs- und Startup-Vertreter:innnen gefordert wird. Durch den Freibetrag werden Anreize geschaffen, österreichisches Kapital in heimische Unternehmen zu investieren – sowohl für Business-Angels als auch für jede:n potenziellen Investor:in.

Wir schlagen die steuerliche Begünstigung von privaten Investitionen in kleine und mittlere Unternehmen vor. Um dies zu erreichen, soll ein Freibetrag von mindestens 100.000 Euro je Investor:in eingerichtet werden. Dieser soll verteilt auf fünf Jahre von der jeweiligen Einkommensteuer abgeschrieben werden können. 

Neben den steuerlichen Vorteilen für die Investor:innen bringt der Beteiligungsfreibetrag auch gesamtwirtschaftlich positive Effekte. Durch die Verwendung des zusätzlichen Kapitals in den Unternehmen für Human- und Sachkapital kommt es zu einer Wertschöpfungssteigerung und einem Anstieg der Beschäftigung. Konkret führt das zu der Sicherung von 3.400 Jahresarbeitsplätzen und zur Selbstfinanzierung des Beteiligungsfreibetrags innerhalb von sieben Jahren (Economica GmbH, 2020). 

Die Forderungen sind realisierbar, das haben andere europäische Länder bereits bewiesen. Das vergleichbare (Seed) Enterprise Investment Scheme in Großbritannien hat beispielsweise nach seiner Einführung zu einem deutlichen Anstieg an Angel Investments geführt.

Für Österreich kommt die aktuelle Umfrage der Jungen Wirtschaft mit mehr als 1.100 Beteiligten zu einem Investitionsvolumen von über 45 Millionen Euro. Dieses Geld könnte zukunftsorientiert in unser Land investiert werden und als wichtiger Treiber aus der Krise helfen.